Bin ich die geborene Alleinreisende?

Im Bus von Florenz in die Schweiz habe ich ehrlicherweise nicht zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie ich mich so mache, als Alleinreisende. Aber jetzt auf dem Weg mich in Zürich mit meiner Familie zu treffen und damit am Ende des allein seins angekommen zu sein, möchte ich für mich irgendwie ein Fazit haben.

Meine Gedanken und Gefühle zum Solo-Reisen

Unterm Strich war ich natürlich nur eine Woche unterwegs und „nur“ in Italien, aber ich war zuvor auch bereits mal solo auf Reisen. Das ist nun aber schon ein paar Jahre her, dass ich in Ecuador und Nordamerika allein auf Erkundung war. Das Auslandssemester in Spanien zähl ich jetzt mal konsequent nicht dazu. Was sich jedoch verändert hat, sind eindeutig meine Gedanken dazu.

Damals ist es halt einfach so gelaufen ohne mich da näher damit zu beschäftigen. Nun stehe ich aber an einem Punkt an dem ich mich frage, bin ich geeignet um zukünftig und auch länger als Alleinreisende glücklich zu sein?

Mittlerweile wird man ja ständig mit neuen tollen Abenteuern von starken Frauen versorgt, die ganz eigenständig monatelang durch die gefährlichsten Gebiete touren und die aufregendsten Dinge erleben. Aber natürlich gibt es diese tollen Berichte auch von Männern, nicht nur von Frauen. Für mich speziell ist natürlich die weibliche Variante die interessanteste.

 

Wie ist es denn so alleine zu reisen?

Durch meine noch geringen Erfahrungen kann ich sagen:

Einfach. Es ist einfach.

24 Stunden einfach das tun was man will. Keine Kompromisse eingehen müssen, sondern dahingehen wo man will, das unternehmen was man will, das essen was man will, das ausgeben was man will und auch: nicht ständig auf jemand anderen warten müssen. Man besitzt die 100%ige Freiheit.

Schwer. Es ist schwer.

Das Lustige ist, das erste was mir dazu einfällt ist, dass es sauschwer ist, gute Fotos von einem selbst zu bekommen, wenn man keinen Partner in Crime dabei hat. Außer man ist natürlich ein Selfie-Profi. Was ich eindeutig nicht bin. Und was ich auch hier in Italien wieder feststellen musste: 80% der Fotos die Fremde von dir machen, kannst du gleich wieder löschen. Mach die eigentlich von ihren Reisepartnern auch so schreckliche Fotos, wo man deren Kopf riesig sieht, aber von der Sehenswürdigkeit null? Oder ist es ihnen nur egal, weil du fremd bist? Also ich will hier mal zu Protokoll geben, dass das letztere sehr uncool ist! Was ich jedoch gelernt habe ist, dass ich einfach nur diejenigen um Fotohilfe bitte, welche entweder mit der Profikamera rumlaufen oder sich eindeutig hingebungsvoll auch mal auf den Boden knien um das Beste rauszuholen.

Ein schwerer Punkt ist natürlich auch, dass man sein erlebtes nicht direkt teilen kann oder auch keine Schulter da ist, wenn man mal einen Reisetiefpunkt hat.

Die ganzen Boni, welche das alleine reisen bringt, brauch ich wohl gar nicht anfangen zu reden. Klar wird man stärker, eigenständiger, selbstbewusster, und man lernt extrem viel dazu.

Die Frage ist aber auch, wird man einsamer? Darüber mache ich mir ein wenig Gedanken. Eine generelle Antwort für alle Alleinreisenden gibt es hier absolut nicht, weil das eine klare Charaktersache ist. Und es kommt auch irgendwie darauf an, wie man reist, wo man wohnt.

Ich beispielsweise bin jemand, der immer gern Leute um sich hat und sich gern mitteilt. Das müssen auf Reisen nicht unbedingt immer die Familie und Freunde sein, sondern natürlich auch neue Bekanntschaften. Da komm ich jedoch direkt gleich mal zu meinem Problem: Sobald man nicht mehr in Hostels unterkommt, wird es eindeutig schwieriger unter Menschen zu kommen und diese kennenzulernen. Das hab ich leider für mich schon feststellen müssen: Ich bin aus der ganzen Hostel-Sache rausgewachsen. Ich nenne mich immer gern Luxus-Backpacker, weil ich zwar gern mit meinem Rucksack reise, aber definitiv Hotels, B&B´s, etc. bevorzuge.

Letztendlich ist aber klar, man findet immer einen Weg, es ist schwieriger, aber nicht unmöglich.

Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich stolz bin zumindest mal dieses Mini-Projekt gewagt zu haben, wieder allein zu verreisen. Ich habe keinen einzigen Tag daran gezweifelt und war extrem glücklich so allein. Und da mein absolutes Traumziel ohnehin ist, baldmöglichst ortsunabhängig arbeiten zu können, werde ich mich da sicherlich noch ein bisschen mehr befreien.

Allerdings glaube ich an sich nicht – und da darf ich mir nichts vormachen – dass ich die geborene Alleinreisende bin. Ich kann das, das weiß ich. Ich schaff das auch, das weiß ich auch. Aber die Frage ist, ob ich das auch immer möchte. Vor allem in unsichere Länder traue ich mich bisher noch nicht allein, aber das kann sich ja noch ändern. Und für mich persönlich denke ich, dass es der perfekte Mix ausmacht. Habe ich die Wahl und jemand aus meinem Umfeld hat Zeit, Lust und auch die gleichen Vorstellungen, werde ich  dies sicher bevorzugen, als solo loszuziehen.

Aber ich weiß auch: Ich brauche keine Kompromisse mehr machen. Bevor ich mit jemand anstrengendem reise, fahr ich lieber allein weg. Anstrengend bin ich mir selber oft genug, da brauch ich nicht noch jemand anders 😉

Also in diesem Sinne, happy travels – egal ob allein oder zusammen!

8 Comments

  • Kuno Freitag, der 22. Juli 2016 at 21:31

    Hey 🙂 Ein wirklich sehr schöner Artikel! „Anstrengend bin ich mir selber oft genug…“ 😀 Wirklich sehr sympathisch 😉
    Viele Grüße!

    Reply
    • Ella Freitag, der 22. Juli 2016 at 23:04

      Danke dir, das freut mich

      Reply
  • Björn Samstag, der 23. Juli 2016 at 13:34

    Dein Text hat mir geholfen etwas gelassener an meine Reise heran zu gehen. Ich fühle mich jetzt nicht mehr so alleine mit meiner Situation,obwohl ich jetzt auch allene Reise. Jetzt weis ich wenigstens was auf mich zu kommt. Dankeschön.
    Gruß Björn

    Reply
    • Ella Samstag, der 23. Juli 2016 at 16:26

      Das freut mich sehr zu hören, Björn! Viel Spaß auf deiner Reise und genieße die Zeit! Oft ist es eben auch total schön mal alleine zu sein! Liebe Grüße!

      Reply
  • Monya Sonntag, der 31. Juli 2016 at 20:10

    Hi Ella,
    ich denke zum Alleinereisen ist es ein Prozess und hei „nur Italien“? Das zählt doch auch! Ich habe mit ein paar Tagen Amsterdam angefangen.

    Was ich besonders schätze, ist die Unabhängigkeit! Wenn ich Lust habe, essen zu gehen – dann gehe ich essen, will ich Pause machen – mache ich Pause und wenn ich genau jetzt Lust habe 3 Tage länger zu bleiben – dann bleibe ich 🙂

    Aber ja du hast recht, es ist schwer gute Fotos zu bekommen und man muss sich allen Situationen alleine stellen. Allerdings war ich auf meinen beiden Reisen alleine kaum alleine – meistens habe ich direkt am 1. Tag jemanden in der Unterkunft kennengelernt und dann viel zusammen gemacht und auch jeder wieder für sich – das genieße ich sehr: Alleine zu sein, wenn man es möchte, es aber nicht zu müssen.

    Liebe Grüße,
    Monya

    Reply
    • Ella Sonntag, der 31. Juli 2016 at 22:38

      Oh ja, Monya, du hast ja so Recht! Man kann einfach frei entscheiden, das tut echt mal gut zwischendurch! Liebe Grüße, Ella

      Reply
  • Sabi Montag, der 1. August 2016 at 08:07

    Schöner Beitrag und ich kann deine Punkte voll und ganz unterschreiben! Die beiden Contras sind genau die, die mich auch am meisten stören. Ohne Fotograf muss man die Fotos mit dem Stativ/Selbstauslöser machen und das nervt ziemlich. Die Unabhängigkeit ist definitiv ein Pro, wobei ich zum Beispiel mit meiner Mama und meinem Freund nie Probleme habe, dass ich was nicht machen kann. Deshalb verreise ich am liebsten mit den beiden.

    Reply
    • Ella Mittwoch, der 3. August 2016 at 15:06

      Danke für deine Worte, Sabi! Ja da hast du das absolute Glückslos gezogen mit so tollen Reisepartnern 🙂
      Liebe Grüße!

      Reply

Leave a Comment

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen